Wer bin ich? – Selbstwahrnehmung, Persönlichkeit und Selbstfindung

Jeder stellt sich mindestens einmal im Leben die Frage „Wer bin ich eigentlich?“

Viele Menschen beschäftigt diese Frage jedoch nachhaltiger und sie wünschen sich, dieser auf den Grund zu gehen.

Ein persönliches Coaching ist ein guter Ansatz für eine Selbstfindung, denn ein Coaching liefert sehr viele spannende Methoden, der Selbstwahrnehmung individuell nachzugehen. Falls Du aber erstmal einen Überblick zu der „Wer bin ich?“-Frage haben möchtest, erhältst Du hier erste Hinweise und Tipps zur Selbstfindung und Selbstwahrnehmung.

Der folgende Artikel wird Dir helfen, ein wenig Licht auf Deine „Wer bin ich?“-Fragestellung zu werfen. Neben Erklärungen zum Selbstbild, der Persönlichkeit, einer kurzen Geschichte über Persönlichkeits-Typologien und hilfreichen Tipps zur Selbstfindung erhältst Du am Ende dieses Artikels die Möglichkeit, einen kostenlosen Persönlichkeitstest nach dem Big-Five-Modell zu machen.

 

Wer bin ich? – Selbstbild und Persönlichkeit

„Wer bin ich eigentlich? – Jeder Mensch beantwortet sich diese Frage vorerst selbst. Denn jeder Mensch macht sich ein Bild von sich selbst. Dieses Bild umfasst im wesentliche alle Aspekte, Fähigkeiten und Erfahrungen Deiner selbst, zu denen Du sagen würdest „Das bin ich, das macht mich als Person aus“.

Dieses Bild über Dich selbst ist ein komplexes Wissenssystem, in dem Dein Wissen über Deine eigene Person gespeichert und geordnet ist. Gebräuchliche Begriffe dafür sind Selbstbild, Selbstkonzept oder Identität.

Wir erlangen dieses Selbstbild unter anderem durch vielfältige Zuschreibungen, die wir von anderen Menschen bekommen: Das können

  • Kommentare über uns,
  • freundliche Blicke,
  • uns entgegengebrachte Zuwendungen oder Ablehnungen,
  • Bewertungen,
  • ausgestellte Zeugnisse und
  • vieles mehr sein.

Diese geben uns direkt oder indirekt zu verstehen, wie andere Menschen uns sehen. Einige dieser Zuschreibungen nehmen wir an. Andere dagegen lehnen wir ab.

Und auch durch Vergleiche mit anderen Menschen gelangen wir zu Informationen über uns selbst.

Durch Zuschreibungen von anderen und Vergleiche mit anderen kommt es im Laufe der Zeit zu einem umfassenden Bild, welches wir uns von uns selbst machen: Das oben beschriebenen Selbstbild.

Die Vielfalt dieser Zuschreibungen und Vergleiche zeigt bereits deutlich, dass die Frage „Wer bin ich eigentlich?“ gar nicht so leicht zu beantworten ist. Denn Du bekommst widersprüchliche Informationen über Dich selbst mitgeteilt. Einige finden Dich eben doof, andere dafür wiederum gut. In einigen Merkmalen stehst Du im Vergleich zu anderen „besser“ dar, in anderen Merkmalen wiederum „schlechter“.

Wer bin ich? Über Vergleiche, Selbstwahrnehmung und Selbstfindung

 

Vom Selbstbild zur Persönlichkeit

Die Frage ist nun, wie Du selbst mit diesen Informationen umgehst. Und auf welche Weise Du diese in Deine Persönlichkeit integrierst.

Aufgrund der Bedeutungsfülle dieses Begriffs gibt es zur „Persönlichkeit“ keine einheitliche Definition. Von vielen Vertretern der Psychologie wird die Persönlichkeit gesehen als

„Gesamtheit aller Persönlichkeitseigenschaften, d.h. die Besonderheiten eines Menschen in körperlicher Erscheinung, Regelmäßigkeiten des Verhaltens und Erlebens – im Vergleich zu anderen Menschen gleichen Alters und gleicher Kultur“.

Demnach sind Deine körperlichen Merkmale genauso Bestandteile Deiner Persönlichkeit wie auch Dein typisches Verhalten und Deine subjektive Wahrnehmung.

Anhand der Definition wird bereits deutlich, dass man zur Persönlichkeit nur im Vergleich zu anderen Menschen Aussagen machen kann. Die Aussage, dass jemand beispielsweise mutig ist, ergibt daher nur Sinn im Vergleich zu einer Bezugsgruppe. In dem Fall also Menschen (gleichen Alters und gleicher Kultur), die weniger mutig sind.

Weil Deine Persönlichkeit also auch Dein Verhalten und Erleben beinhaltet, wird der große Einfluss Deiner Selbstwahrnehmung auf diese deutlich. Nimmst Du Dich z.B. als jemand wahr, der sehr offen gegenüber fremden Menschen ist, wirst Du zum einen weniger Scheu haben, andere Menschen anzusprechen und zum anderen dies auch häufiger tun.

 

Wer bin ich? – Diese Frage beschäftigt Menschen seit tausenden von Jahren

Bereits Hippokrates verglich Menschen und stellte Unterschiede fest. Für beobachtete Unterschiede innerhalb des menschlichen Verhaltens machte er das Vorherrschen einer der vier Körpersäfte

  • Blut,
  • Schleim,
  • gelbe Galle und
  • schwarze Galle

verantwortlich.

Diesen „Körpersäften“ ordnete er die Persönlichkeitstypen

  • Sanguiniker,
  • Phlegmatiker,
  • Choleriker und
  • Melancholiker zu.

Diese Zuordnung von Hippokrates basierte jedoch nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sondern auf rein sprachlichen Assoziationen wie z.B. schwarze Galle = trübe Stimmung. Dennoch haben es diese Begriffe zur Beschreibung von Personen bis in unsere heutige Zeit geschafft.

Basierend auf den Arbeiten zur Selbstfindung des griechischen Arztes Galen, welcher sich auf Hippokrates bezog, erweiterte Wilhelm Wundt mit den Dimensionen „Stärke der Gemütsbewegung“ und „Schnelligkeit des Wechsels der Gemütsbewegung“ diese Typologie. Diese Eigenschaften würde man heute unter dem Begriff Temperament zusammenfassen.

Hans Eysenck fand aufgrund von Temperament-Selbstbeschreibungen in Fragebögen heraus, dass Temperament auf zwei relativ unabhängigen Faktoren variiert, die den Wundt’schen Dimensionen recht gut entsprechen: Extraversion mit den Polen extravertiert introvertiert entsprach Wundts‘ „Stärke der Gemütsbewegung“.

Die Dimension Neurotizismus mit den Polen instabil stabil entsprach der „Schnelligkeit des Wechsels der Gemütsbewegungen“. Diese Klassifikation erwies sich als äußerst erfolgreich, weil diese in Fragebogen-Forschungen immer wieder bestätigt wurde.

 

Der heutige Kenntnisstand

Die heute am meisten verbreitetste Persönlichkeitsklassifikation ist das sogenannte Big-Five-Modell, welches die Dimensionen Extraversion und Neurotizismus beinhaltet. Für dieses Persönlichkeits-Modell wurde in aufwendigen Verfahren das gesamte Lexikon nach menschlichen Eigenschaftswörtern durchsucht. Ungebräuchliche und ähnliche Wörter wurden weggelassen. Und somit die Gesamtzahl aller Eigenschaftswörter auf einige wenige hundert Worte reduziert. Mit mathematischen Methoden wie der Faktorenanalyse wurden die übrigen Wörter weiter reduziert.

Die fünf Persönlichkeitseigenschaften

  • Extraversion,
  • Neurotizismus,
  • Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen,
  • Gewissenhaftigkeit und
  • Verträglichkeit,

die nach diesen Verfahren übrig blieben, werden auch Hauptfaktoren der Persönlichkeit genannt („big five“). Nach Meinung der meisten Psychologen lässt sich die Unterschiedlichkeit der Menschen besonders gut auf diese fünf Dimensionen herunterbrechen. Das breite Feld der menschlichen Persönlichkeit wird dadurch möglichst gut abgedeckt und durch wenige Eigenschaftsbegriffe effizient beschrieben. So sind die fünf Hauptfaktoren der Persönlichkeit entstanden.

Im Folgenden hast Du die Möglichkeit, diese Big-Five-Persönlichkeitstest kostenlos durchzuführen, bevor ich Dir noch einige Tipps zur Beantwortung Deiner „Wer bin ich?“-Frage mitgebe. In diesem Big-Five-Persönlichkeitstest werden die oben verwendeten Begriffe auch noch genauer erläutert.

 

Hinweise zur Selbstfindung bei Fragen zur eigenen Identität

Was auch immer Dich zur Selbstfindung und zu der „Wer bin ich?“-Frage geführt hat, ob Du gerade in einer schwierigen Situation steckst oder vor einer wichtigen Entscheidung stehst, beachte bitte die folgenden Tipps:

  • Wie weiter oben bereits erwähnt, erlangst Du Dein Selbstbild unter anderem durch vielfältige Zuschreibungen und Vergleiche.
     
    Bedenke dabei, dass voll allen Urteilen, die über Dich gefällt werden, keines so wichtig ist, wie das Urteil, welches Du über Dich selbst fällst. Die Zuschreibungen anderer Menschen sind höchstens Momentaufnahmen und meistens subjektiv und sogar falsch.
     
    Aus Feedback zu lernen ist eine Sache. Zu großen Wert solltest Du diesen Zuschreibungen jedoch nicht beimessen! Weitere Tipps zur Steigerung Deines Selbstwertgefühls findest Du bei Klick auf den Link.
  • Du lernst Dich selbst besser kennen, wenn Du Dein Verhalten und Deine Gedanken beobachtest.
     
    Dabei solltest Du aber möglichst wertfrei bleiben, d.h. Dich selbst nicht verurteilen. Beobachte Dich und lerne daraus! Versuche jedoch Deinen Drang nach einer Bewertung auf der Skala von „schlecht“ nach „gut“ zu unterbinden! Bereits Shakespeare hat erkannt „there is nothing either good or bad, but thinking makes it so.“
  • Persönlichkeitseigenschaften sind nicht in Stein gemeißelt.
     
    Hast Du z.B. Prüfungsangst, kannst Du lernen, diese zu überwinden. Genauso wie Du abnehmen kannst, wenn Du übergewichtig bist, kannst Du auch Verhaltensweisen abändern. Nichts in dieser Welt ist konstant. Vor allem im Bereich der Persönlichkeit spricht man deshalb von Persönlichkeitsentwicklung. Diese bezeichnet die (bewusste) Veränderung von Persönlichkeitsmerkmalen.
     
    Wenn Dich etwas an Dir stört, so bist Du in der Lage, dies zu verändern. Du musst nur die Verantwortung übernehmen und akzeptieren, dass Du die Dinge in der Hand hast, und nicht andere Menschen oder Umstände.
  • Wie aus den oberen beiden Punkten hervorgeht, kannst Du Dein eigenes Verhalten wertfrei beobachten und bei Bedarf in eine gewünschte Richtung lenken. Einen guten Anfang für Deine Selbstwahrnehmung bilden die sogenannten Attributionsstile, über die Du in diesem Artikel über gelernten Optimismus mehr erfahren kannst, inklusive weiter Tipps zur Anwendung.
  • Neben Persönlichkeitstest wie dem Folgenden gibt es verschiedene Möglichkeiten, mehr über Dich zu erfahren. Du könntest Dir beispielsweise eine Liste Deiner Werte machen, Deine Ziele definieren, ein Tagebuch führen, einen Lebenslauf schreiben oder auch einfach andere Menschen fragen, wie diese Dich sehen (unter Beachtung der oben beschriebenen Tipps!)
     
    Nach dem Feedback kannst Du darüber reflektieren und zutreffende Punkte bewusst bearbeiten, beispielsweise selbstbewusster auftreten, wenn andere Dich für eher schüchtern halten
  • .

  • Ein Teil Deiner Selbstfindung stammt aus den Zuschreibungen Deines Umfeldes. Sollte Dein Umfeld jedoch schlecht für Dich sein bzw. Dich mit negativen Zuschreibungen belegen, so ist es evtl. an der zeit, Dir einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Wie Dir das am besten gelingt, erfährst Du in unserem Artikel Freunde gewinnen und beliebter werden
  • Das gerade erst erschienene (und derzeit nur in englischer Sprache erhältliche) Buch „Ego Is the Enemy“ von Ryan Holiday beschäftigt sich eindringlich mit der Frage des Egos und zeigt auf, dass dieses nicht immer nützlich ist.
     
    In vielen Situationen steht einem das eigene Ego im Weg. Daher sollte Deine Analyse der „Wer bin ich?“-Frage auch nicht zu einem zu festgefahrenen Ergebnis führen. Eigene Zuschreibungen, die zu starr sind, werden Dich unflexibel machen.
     
    So stehst Du Dir beispielsweise manchmal selbst im Weg, wenn Du auf einer Party, auf der House-Musik läuft, keinen Spaß haben kannst. Weil Du von Dir selbst das Bild hast, ein „Hip-Hop-Typ“ zu sein. Dein eigenes Ego versaut Dir in diesem Fall Deinen Abend. Und manchmal ist es gut, dieses beiseite zu legen.
  • In dem Buch von Richard Precht „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“ betrachtet dieser die „Wer bin ich?“-Frage auf verschiedenen Ebenen. Um einer Antwort und einem erfüllten Leben einen Schritt näher zu kommen, ist dieses definitiv die Lektüre wert.

 

Finde heraus mit unserem kostenlosen Persönlichkeitstest heraus, wer Du bist

Unser kostenloser Persönlichkeitstest besteht aus 44 Fragen und gibt Dir ein umfassendes Bild Deiner wichtigsten Persönlichkeitseigenschaften und deren Ausprägung.

Nach Beantwortung der 44 Fragen werden Deine Ergebnisse mit den Ergebnissen aller Teilnehmer gleichen Alters und Geschlechts aus unserer Datenbank verglichen. Damit kommst Du der Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ hoffentlich ein Stückchen näher.

Wenn Dir dieser Beitrag zur Fragestellung „Wer bin ich?“ gefallen hat, schreib Dich in unseren Coaching Newsletter ein, um keinen weiteren Blog-Beitrag mehr zu verpassen!

(Quelle: „Psychologie der Persönlichkeit“ von Jens B. Asendorpf und Franz J. Neyer)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal und Life Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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