Verbale Kommunikation fördern und Gesprächsstörer vermeiden


Effektive Vorbereitung auf heikle Gespräche: Teil 3 – Gesprächsstörer meiden

Gesprächsstörer bringen eine Konversation ins stocken. Sie stören im wahrsten Sinne des Wortes ein erfolgreiches Gespräch. Nach Lesen dieses Artikels ist für Dich jedoch ein für alle mal Schluss damit.

Für eine gelungene verbale Kommunikation hast Du durch die Artikel „Effektive Vorbereitung auf heikle Gespräche: Teil 1 – Das Kommunikationsquadrat“ und „Teil 2 – Gesprächsführung“ einen umfangreichen Leitfaden für den Rahmen einer gelungenen Gesprächsführung an der Hand.

In diesem dritten Teil geht es nicht um den Rahmen eines Gespräches, sondern um die explizite verbale Kommunikation, d. h. um die inhaltlichen Gestaltungsmöglichkeiten in einem Gespräch.

Nach dem Lesen dieses Artikels weißt Du, was Du in einem Gespräch vermeiden solltest, damit dieses flüssig voranschreitet, Du Deinen Gesprächspartner besser verstehst und Du Deinen Gesprächszielen näher kommst. Mit den hier vorgestellten Gespächstechniken wirst Du Deine verbale Kommunikation fördern. Und Gesprächsstörer in Deinen Gesprächen vermeiden – oder bewusst einsetzen!

Im Folgenden findest Du eine Beschreibung aller Gesprächsstörer aus dem Buch „Professionelle Gesprächsführung“ von Christian-Rainer Weisbach und Petra Sonne-Neubacher, deren Vermeidung Deine verbale Kommunikation verbessern wird. All diesen Gesprächsstörern ist gemeinsam, dass diese beim Gesprächspartner Widerstand auslösen können, was vermutlich nicht das ist, was Du eigentlich erreichen willst.

 

Gesprächsstörer Befehle vermeiden

Normalerweise befehlen wir etwas, wenn wir davon ausgehen, dass der andere sich ohne den Befehl nicht „richtig“ verhält. Derartige Anweisungen erzeugen meistens nicht wegen ihres Inhaltes Widerstand im Gegenüber, sondern aufgrund der bevormundenden Art. Dies könnte eine Trotz-Reaktion auslösen.

A: „Fahr nicht so schnell!“
B: „Ich sitze am Steuer, wenn es Dir nicht passt, nimm den Bus!“

 

Überreden nur wenn es nötig ist

Wie beim Befehlen zielt das Überreden darauf ab, den anderen zu einem Verhalten zu bewegen, welches er aktuell nicht an den Tag legt. Der Unterschied ist, dass versucht wird derart zu argumentieren, dass der andere „freiwillig das Richtige tut“.

A: „Überlege es Dir! Das ist eine einmalige Chance. Beachte die Vorteile x und y!“

Obwohl eine freundliche Verpackung genutzt wird, bemerkt der Gesprächspartner höchstwahrscheinlich den Eingriff in seine Entscheidungsfreiheit und reagiert wohl möglich stur.

 

Warnen und drohen vermeiden

Warnungen und Drohungen auszusprechen ist der nicht mehr ganz so freundliche Versuch, der anderen dazu zu bringen „das Richtige zu tun“. Durch Aufzeigen der möglichen Folgen soll der andere zum „richtigen“ Handeln bewegt werden:

A: „Klar kannst Du das so machen! Bedenke nur, dass Du dann für die Beförderung nicht berücksichtigt wirst…“

Auch wenn der Gesprächspartner Folge leistet, wird er wahrscheinlich Groll hegen und sich bei Gelegenheit rächen.

 

Vorwürfe vermeiden

Im Gegensatz zu den zuvor vorgestellten Gesprächsstörern bezieht sich das Machen von Vorwürfen auf die Vergangenheit. Macht man Vorwürfe, versucht man die eigene Überlegenheit aufzuzeigen.

A: Als Kommentar, bspw. „Das hättest Du vorher wissen müssen!“ oder als „Warum-nicht“-Frage, bspw. „Warum hast Du mich nicht einfach gefragt?“

Da die Handlung in der Vergangenheit liegt und nicht änderbar ist, ist ein Vorwurf destruktiv und verletzt eher den Gesprächspartner, anstatt gemeinsam nach vorne zu schauen und nach Lösungen zu suchen. Mit Vorwürfen erzeugst Du eher eine Abwehrhaltung als konstruktives Vorankommen.

 

Bewertungen vermeiden

Eine Bewertung ist ein subtiler Weg, die eigene Überlegenheit zu zeigen. Eine Bewertung beinhaltet eine positive oder negative Wertung, drückt also die eigene Meinung davon aus, was gut oder schlecht ist.

A: Negativ „Du machst es Dir ganz schön leicht“ oder positiv „Das ist eine gute Arbeit.“

Während negative Bewertungen oft als Angriff auf die eigene Person verstanden werden, können auch positive Bewertungen wie Einmischungen oder Bevormundungen aufgefasst werden. Und darüber hinaus sogar zur Unselbstständigkeit erziehen, da der Bewertete weniger auf die eigene Einschätzung vertraut.

 

Gesprächsstörer Herunterspielen vermeiden

Herunterspielen ist eine Sonderform des Bewertens, da hier beurteilt wird, was wichtig und bedeutend ist und was nicht. Der Gesprächspartner schätzt die Lage aus unserer Sicht nicht richtig ein und wird daher korrigiert.

A: „Mach Dir nichts draus! Damit sind schon ganz andere fertig geworden …“ oder „So schlimm ist das nicht. In paar Wochen siehst Du das wieder ganz anders.“

Auch wenn es gut gemeint ist, ist es jedoch selten erwünscht. Ohne sich wirklich auf den anderen einzulassen wirkt Bagatellisieren eher so, als wolle man sich nicht wirklich auf das Gesagte einlassen und es verharmlosen. Dadurch wird Distanz zum Gesprächspartner erzeugt und somit das Gespräch gestört.

 

Nicht ernst nehmen vermeiden

Jemanden nicht ernst zu nehmen ist eine bewährte Möglichkeit, die Gesprächsführung an sich zu reißen. Weil man bestimmt, welches Thema relevant ist und welches nicht.

A: „Ja das ist wirklich schlimm. Sag mal, hast Du gleicht Zeit meine Unterlagen durchzugehen?“

Dem Gesagten wird keine Bedeutung beigemessen, wodurch sich der Gesprächspartner nicht abgeholt und zurückgewiesen fühlt. Auch hier kannst Du eher davon ausgehen, dass Dein Gesprächspartner Dir dieses Verhalten übel nehmen wird und sich früher oder später für diesen Gesprächsstörer rächt.

 

Lebensweisheiten für sich behalten

Lebensweisheiten zum Besten geben stellt eine Sonderform des nicht-ernst-Nehmens dar. Hier wird der Gesprächspartner mit Sprüchen abgespeist, anstatt dass man sich ernsthaft mit dem Gesagten auseinandersetzt.

A: „Vergiss Sie. Auch andere Mütter haben schöne Töchter.“

Durch die Lebensweisheiten wird eher versucht, die eigene Position zu untermauern. Auch dies zeigt aufgrund des Nichteingehens eher Desinteresse am Anliegen des Gesprächspartners.

 

Von sich reden vermeiden

Redet man von sich selbst, so versucht man, den Gesprächspartner durch seine eigene Lebenserfahrung zu „bereichern“. Man hat also für sich bereits beschlossen, dass das, was man über sich zu berichten weiß, wichtiger und bedeutsamer ist, als alles andere.

A: „Gestern Abend war ich mit Nicole im Kino.“
B: „Ich war schon seit Wochen nicht mehr im Kino. Im Moment laufen aber auch keine guten Filme. Den letzten guten Film den ich gesehen habe, war ….“

Von sich reden ist das Paradebeispiel für mangelnde Empathie. Einen guten Kontakt zum Gesprächspartner baut man damit nicht auf. Im Gegenteil, dieser wird einen selbst eher für egoistisch und egozentrisch halten.

 

Ursache aufzeigen und Hintergründe deuten vermeiden

Auch indem man einen Hobby-Psychologen mimt oder den Detektiv spielt, versucht man eher, die eigene Überlegenheit darzustellen. Anstatt sich wirklich auf das Gesagte einzulassen.

A: „Leider habe ich die Stelle nicht bekommen.“
B: „Das liegt bestimmt daran, dass Du Dir selbst nicht genug zutraust. Du musst in so einem Gespräch selbstbewusst auftreten!“

Die Gefahr dabei ist offensichtlich. Entweder man liegt falsch, was dem Gespräch nicht weiterhilft. Wohl möglich verletzt man seinen Gegenüber durch die Einschätzung sogar. Oder man liegt richtig, was dazu führen könnte, dass der Gesprächspartner verärgert oder peinlich berührt ist.

 

Ausfragen vermeiden

Es stimmt, dass man durch gezielte Fragen das Gespräch stark lenken kann. Jedoch zielen die meisten Fragen eher auf das Befriedigen der eigenen Neugierde ab, anstatt echtes Interesse am wahren Anliegen des Gesprächspartners zu zeigen.

A: „Wir überlegen, ein Haus zu kaufen.“
B: „Wie groß ist denn euer Budget?“

Natürlich darf man weiterhin Fragen stellen, diese sollten nur zielführend und bewusst eingesetzt werden.

 

Vorschläge und Lösungen anbieten vermeiden

Gegen gut gemeinte Vorschläge gibt es nicht einzuwenden. Wenn danach gefragt wurde!

Das Problem bei diesem Gesprächsstörer liegt daran, dass die meisten Menschen ungefragt Ratschläge erteilen.

A: „Mit meiner Frau läuft es in letzter Zeit nicht so gut.“
B: „Ihr solltet unbedingt mal wieder zusammen einen romantischen Urlaub machen!“

Damit zeigt man eher, dass man dem Gesprächspartner nicht zutraut, selber auf die Lösung zu kommen, und ihn daher „belehren“ muss. Darüber Hinaus kann man davon ausgehen, dass der Gesprächspartner sich bereits mit dem Problem beschäftigt hat. Ein Ratschlag wie aus der Pistole geschossen lässt den anderen spüren, dass man ihn für inkompetent hält.

 

Was kann ich in einem Gespräch denn überhaupt noch sagen?

Nach der Auflistung der Gesprächsstörer denkst Du Dir vielleicht „Was bleibt denn noch übrig, was ich im Gespräch machen und sagen kann?“

Die oben genannten Gesprächsstörer sind per se nicht falsch. Und teilweise sogar recht nützlich! Das Hauptproblem liegt an der unpassenden Anwendung. Meistens kommen diese zu früh, ohne sich wirklich empathisch mit dem Gesprächspartner und seinem Anliegen beschäftigt zu haben.

Natürlich kann und soll es nicht das Ziel sein, dass Du Dich nun nie wieder der oben beschriebenen sprachlichen Mitteln bedienst. Jedoch sollte Dir bewusst sein, welche Wirkung diese in Deinem Gesprächspartner auslösen.

Im nächsten Teil erfährst Du, mit welchen sprachlichen Mitteln Du Gespräche voranbringen kannst.

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(Quelle: „Professionelle Gesprächsführung“ von Christian-Rainer Weisbach und Petra Sonne-Neubacher)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal und Life Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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