Optimismus lernen – Positiv denken und das Leben genießen

Optimismus wird im Allgemeinen als Haltung angesehen, die es ermöglicht, die positiven Seiten eines Sachverhaltes zu erkennen. Viele denken, man ist optimistisch, oder eben nicht. Nur die wenigsten Menschen wissen, dass man Optimismus lernen kann.

In diesem Beitrag erkläre ich Dir, was genau Optimismus eigentlich ist und wie Du dieses Wissen dazu nutzen kannst, Optimismus zu lernen. Dadurch steigt nicht nur Dein subjektives Wohlbefinden, es hat auch positive Effekte auf Deine Gesundheit: Studien zeigen, dass Optimisten in der Regel gesünder sind als Pessimisten und auch besser in der Lage sind, Stress zu bewältigen.

 

Optimismus als Lebensauffassung

Optimismus hat damit zu tun, in welcher Art und Weise Du über Dinge denkst. Es kommt auf Deine innere Bewertung der Außenwelt an, anstatt auf die Außenwelt selbst.

Welchen Einfluss dabei die Sprache hat und die Art und Weise, wie Du diese bereits in Deinen Gedanken benutzt, habe ich Dir bereits in dem Beitrag Wie Du Deine eigene Realität erschaffst erklärt.

In dem wissenschaftlich fundiertem, aber dennoch gut lesbaren Buch „Pessimisten küsst man nicht. Optimismus kann man lernen“ beschreibt Martin Seligman die Auswirkungen einer pessimistischen Lebenseinstellung und die Vorteile von Optimismus. Dabei untersuchte er ebenfalls, was Optimisten von Pessimisten unterscheidet und leitet konkrete Handlungsempfehlungen her. Er beschreibt darin, wie Du Optimismus lernen kannst.

Im Grunde ist laut Seligman Optimismus eine Form der Ursachenzuschreibung: Es geschehen Dinge in der Welt, und wir beurteilen diese Dinge auf einer Skala von schlecht bis gut.

Diese Bewertung ist abhängig von unserer Einstellung und unseren Werten. Auch über die Ursachen der Ereignisse machen wir uns unsere Gedanken. Diese Beurteilung der Ursachen von Ereignissen werden Attributionen genannt.

Diese Attributionen geschehen anhand dreier Dimensionen:

  • Zuschreibung: Liegt die Ursache bei mir selbst oder an anderen Faktoren?

  • Dauerhaftigkeit: Ist die Ursache zeitlich begrenzt oder unbegrenzt?

  • Geltungsbereich: Ist die Ursache global oder hoch spezifisch?

Dazu einige Beispiele:

  • Hast Du z. B. ein schlechtes Ergebnis in einer Prüfung erreicht, kannst Du Dir selbst die Ursache zuschreiben (“Ich hab eben ein schlechtes Gedächtnis”) oder es äußeren Faktoren zuweisen (“Die Baustelle vor meiner Wohnung hat Lärm verursacht, so dass ich mich nicht richtig vorbereiten konnte”).




  • Das schlechte Gedächtnis als Zuschreibung wäre ein Faktor, der über die Zeit erhalten bleibt (unbegrenzt). War die Ursache Deiner Meinung nach eher schlechter Schlaf in der Nacht vor der Prüfung, so ist dieser Faktor zeitlich begrenzt (in diesem Fall einmalig).

  • Bist Du der Meinung, dass Du aufgrund Deines schlechten Gedächtnisses einfach nicht so clever bist, so ist diese Ursachen genereller Natur und damit auch auf andere Bereiche übertragbar (global). Bist Du der Meinung, Du kannst Dir z. B. mathematische Gleichungen einfach nicht gut merken, so beziehst Du Dich nur auf eine spezifische Situation (Mathematik-Prüfungen). Der Geltungsbereich ist in diesem Fall spezifisch anstatt global.

Unabhängig von den wahren Gründen, die zu Erfolg oder Misserfolg geführt haben, verfestigt sich das Denken über die Ursachen von Ereignissen zu sogenannten Attributionsstilen: Es hat sich nämlich gezeigt, dass Menschen generell die Tendenz haben, konstant auf eine bestimmte Art und Weise über Dinge zu denken. Diese Art zu denken wird auf viele Situationen des Lebens angewendet, es entwickelt sich ein bestimmter Stil des Denkens.

 

Unterschied zwischen Optimisten und Pessimisten

Der Unterschied zwischen Optimisten und Pessimisten liegt genau in ihren Attributionsstilen. Ein Pessimist wird Erfolge als extern verursacht, zeitlich begrenzt sowie als hoch spezifisch ansehen (“Dieses eine mal Glück gehabt”).

Misserfolge sieht der Pessimist jedoch als intern verursacht, zeitlich unbegrenzt und global (“Ich bin eben ein Idiot, das wird sich nie ändern”).

Bei einem Optimisten ist dies genau andersherum: Erfolge sind intern verursacht, zeitlich unbegrenzt und global (“Meine Fähigkeit”). Misserfolge dagegen werden externen Faktoren zugeschrieben, die Ereignisse als zeitlich begrenzt und hoch spezifisch angesehen (“Durch den Lärm konnte ich für diese eine Prüfung nicht richtig lernen”).

Insgesamt ergeben sich folgende Attibutionsstile für Optimisten und Pessimisten:

Optimismus lernen Attributionsstile

 

Optimismus lernen

Die Art und Weise, wie Du über Dinge denkst, wird sich natürlich auf Deine Erwartungen an zukünftige Ereignisse auswirken. Und ebenfalls darauf, ob Du glaubst, diese beeinflussen zu können oder nicht.

Dadurch kommt es, dass Pessimisten nicht gerade eine zuversichtliche und lebensbejahende Grundhaltung haben, denn sie glauben, sowieso keinen persönlichen Einfluss auf positive Ausgänge zu haben (externe Zuschreibung).

Abhängig von der Attribution, wie Du Erfolg oder Misserfolg wahrnimmst, wirst Du Dein Verhalten an den Attributionsstil anpassen. Du wirst Dich z. B. bei Misserfolgen das nächste Mal besser vorbereiten, wenn Du glaubst, Ursachen sind zeitlich begrenzt und hoch spezifisch. Oder Deine Arbeit aufzugeben, wenn Du glaubst, Ursachen sind zeitlich unbegrenzt und global. Und das unabhängig von den tatsächlichen Gründen für Erfolg oder Misserfolg!

Ein globaler, stabiler Attributionsstil wie „Ich mache niemals etwas richtig“ erhöht bei den Betroffenen das Risiko einer Depression. Schon allein aus diesem Grund solltest Du Optimismus lernen!

Du kannst Optimismus lernen, Deine eigene Leistung und somit Deine Erfolge erhöhen, indem Du daran arbeitest, einen optimistischen Attributionsstil für Erfolge und Misserfolge zu entwickeln:

  • Vermeide Misserfolge intern und global zu attribuieren, indem Du nach möglichen Ursachen in der spezifischen Situation suchst!

    Natürlich geht es hier nicht um eine desillusionierte Einstellung. Deine eigenen Fähigkeiten solltest Du stets kritisch hinterfragen und versuchen, zu einer guten Selbsteinschätzung zu kommen. Aber Dir gleich selber für alles Schlechte den schwarzen Peter zuzuschreiben, brauchst Du auch nicht! Und dies dann auch noch zu verallgemeinern, erst recht nicht!

  • Auch ist selten etwas in der Welt konstant. Daher solltest Du vor allem bei schlechten Erfahrungen nicht davon ausgehen, dass dies nun “immer” so sein wird. Lerne aus der Situation und lasse Deine Motivation nicht durch kurzfristige Rückschläge untergraben!

  • Ist dagegen etwas gut gelaufen, darfst Du Dir auch gerne mal auf die Schulter klopfen. Akzeptiere ruhig, dass vermutlich Dein Mitwirken die Situation / das Ergebnis positiv beeinflusst hat!

    Aus falscher Bescheidenheit Lorbeeren an andere zu verteilen muss nun wirklich nicht sein. Zu einem gesunden Selbstwert gehört die Akzeptanz eigener, guter Leistungen dazu. Die sollte man auch kommunizieren können, ohne gleich als Angeber dazustehen.

  • Deine eingebrachten Fähigkeiten, die die Situation gut laufen ließen, kannst Du dann auch noch für weitere Bereiche in Deinem Leben nutzen und somit Deine Erfolge weiter ausbauen.

Optimismus lernen erfordert also eine Verlagerung der Ursachenzuschreibung. Wie jede Verhaltensänderung erfordert dies ein wenig Übung, aber es wird sich lohnen: Gelernter Optimismus steigert nicht nur Deine Motivation, sondern wird auch dazu beitragen, Dein Leben bewusster zu genießen. Weil Du den Verlauf der Dinge als weniger zufällig erlebst und Dich auch über positive Dinge und Dein Mitwirken an diesen freuen kannst.

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(Quellen: „Pessimisten küsst man nicht. Optimismus kann man lernen“ von Martin Seligman und „Psychologie“ von Richard J. Gerrig und Philip Zimbardo)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal- und Life-Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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