Kommunikation in der Beziehung meistern – Teil 2: Bedürfnisse mitteilen

Über Kommunikation in der Beziehung hast Du bereits im ersten Teil dieser Reihe im Artikel die fünf Sprachen der Liebe einiges erfahren.

Nun geht es in diesem zweiten Teil darum, wie Du Deine Bedürfnisse in Deiner Beziehung richtig kommunizierst. Deine Bedürfnisse richtig zu kommunizieren hat zum Ziel, Missverständnisse und Reibungen in Deiner Partnerschaft zu vermeiden (auch wenn sich diese vermutlich nie restlos beheben lassen werden).

 

Kommunikation in der Beziehung meistern: Bedürfnisse verstehen

Es gibt unzählige Modelle menschlicher Bedürfnisse, auf welche ich hier im Detail nicht eingehen möchte. Die bei den Modellen benutzten Paletten reichen dabei von physiologischen Bedürfnissen wie Hunger und Durst bis hin zu psychologischen Bedürfnissen wie persönliches Leistungsstreben.

Es gibt unter anderem das Bedürfnis nach Sicherheit, Übereinstimmung, Bewegung, Gemeinschaft, Entspannung, Freundschaft, Struktur, Ordnung, Liebe, Einfachheit, Harmonie, Sinn, Entwicklung und viele weitere. Mit dieser kleinen Aufzählung möchte ich nur darauf aufmerksam machen, dass vieles ein Bedürfnis darstellen kann, was sich mit einem Modell natürlich nicht vollständig abbilden lässt.



Für den folgenden Kontext ist eher wichtig, dass es sich bei einem Bedürfnis um etwas handelt, was menschliches Verhalten motiviert (Klicke hier, um herauszufinden, was Dich motiviert).

Auch wird durch die obige Aufzählung deutlich, dass Bedürfnisse teilweise etwas abstrakt und nicht unbedingt offensichtlich sind. Warum Menschen sich so verhalten, wie sie sich verhalten, kann man oft nur erahnen. Bedürfnisse liegen meistens verborgen unter der Oberfläche. Genau aus diesem Grund sprechen Verhaltensforscher auch oft von Eisbergmodellen, da tiefer liegendes, wie bei einem Eisberg, nicht sichtbar ist.

Um Kommunikation in der Beziehung besser zu verstehen, vor allem wenn es mal nicht rund läuft, eignet sich das Bild des doppelten Eisbergs hervorragend:

Kommunikation in der Beziehung - Doppelter Eisberg

Jeder Eisberg steht dabei für einen Interaktionspartner mit all seinen Merkmalen und Eigenschaften. Die Teile über der Wasseroberfläche symbolisieren sichtbares Verhalten und offen vertretene Positionen. Hier überschneiden sich die Eisberge nicht, denn im Konfliktfall vertritt jeder seine Meinung und ist nicht wirklich zu Zugeständnissen bereit. Es gibt hier keine Gemeinsamkeiten bzw. Kompromiss-Spielräume, denn der Konflikt ist ja bereits entbrannt und die Positionen meist verhärtet.

Unter der Wasseroberfläche sieht das Ganze jedoch anders aus. Hier lassen sich die Hintergründe des Konfliktes finden. Es gibt zwar auch hier Trennendes, jedoch auch eine große Schnittmenge. In dieser Schnittmenge der beiden Eisberge liegen die Gemeinsamkeiten, was beispielsweise gemeinsame Bedürfnisse, Gefühle, Wertvorstellungen, Ängste etc. widerspiegelt.

Gelingt es Dir, die Gemeinsamkeiten unter der Oberfläche herauszuarbeiten, bist Du der Lösung des Konfliktes einen großen Schritt näher gekommen.

 

Kommunikation in der Beziehung verbessern: Bedürfnisse richtig kommunizieren

Die Beweggründe und Hintergründe des Verhaltens Deiner Partnerin liegen meistens also vorerst im Verborgenen. Um diese besser zu verstehen, tust Du gut daran, Deine eigenen Bedürfnisse richtig zu kommunizieren und Deine Wünsche zu äußern. Wenn Du den ersten Schritt machst und Deine Position aufweichst – d. h. Deiner Partnerin die Hintergründe Deiner Position erklärst – wird es Deine Partnerin Dir im Normalfall gleichtun. So kannst Du erkennen, an welchen Stellen Potentiale für eine Lösung oder einen Kompromiss existieren.

Etabliert hat sich hierbei der Prozess der „gewaltfreien Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg. Den Prozess, sich mitzuteilen, hat Rosenberg in vier Komponenten zerlegt:

Gewaltfreie Kommunikation AmazonGewaltfreie Kommunikation
  • Beobachtungen

  • Gefühle

  • Bedürfnisse

  • Bitten

 

1) Beobachtungen

Als ersten Schritt für eine gelungene Kommunikation in der Beziehung gibst Du wieder, was in einer strittigen Situation tatsächlich geschehen ist. Was wurde gesagt, was wurde gemacht? Welches konkrete Verhalten konntest Du beobachten? Was genau ist vorgefallen? An welchen Stellen reibt ihr euch in eurer Beziehung immer wieder auf?

Dieser Schritt ist dabei analog zum ersten Schritt aus dem Teufelskreis-Modell, nur dass es hier nicht nur um das Verhalten Deiner Partnerin geht, sondern um die gesamte Situation.

Wie beim Teufelskreis-Modell gilt es auch hier, komplett sachlich zu bleiben! Lass jegliche Interpretation, Beurteilung und Bewertung weg. „Du hast Dich abweisend verhalten, weil Du emotional kalt bist“ ist dabei nicht sachlich, sondern eine Wertung und eine Interpretation. Versuche komplett auf Erklärungen zu verzichten und schildere einfach nur die tatsächlichen Fakten der Situation, wie z. B. „Als wir gestern über xy gesprochen haben, hast Du zuerst Deine Arme verschränkt und hast dann wortlos das Zimmer verlassen.“

 

2) Gefühle

Nachdem Du die Situation geschildert hast, kannst Du mitteilen, was die beschriebene Situation in Dir ausgelöst hat. Höre auf Dein Inneres und nehme wahr, was dort geschieht. Teile es dann so offen und ehrlich wie nur möglich mit!

Beispielsweise „Als Du die Arme verschränkt hast, kam mir das so vor, als blockst Du mich ab. Das hat mich verunsichert und verärgert. Als Du dann raus gegangen bist, war ich irritiert und traurig.“

 

3) Bedürfnisse

In diesem Schritt sagst Du, welche Deiner Bedürfnisse hinter Deinen Gefühlen stehen. Zugegebenermaßen ist es nicht immer einfach, die eigenen Gefühle richtig zu benennen und einzuordnen. Die dahinter liegenden Bedürfnisse richtig zu erkennen, ist teilweise sogar noch etwas schwieriger. Entschleunigung ist hier der Schlüssel. Hör genau hin und versuche zu verstehen, was Dir wichtig ist und was die Gründe für Deine Gefühle und Dein Verhalten sind.

In der Beispielsituation könnten Deine Bedürfnisse z. B. folgendermaßen lauten: „Mir liegt viel daran, dass Du mich verstehst und meine Meinung respektierst. Der Austausch mit Dir bedeutet mir viel. Mir ist ebenfalls wichtig, dass ich mich Dir mitteilen kann, und die Situation trotzdem entspannt bleibt, auch wenn wir mal nicht einer Meinung sind.“

Hier kommunizierst Du also Deine Bedürfnisse verstanden zu werden, Akzeptanz, Austausch, Dein Mittteilungs- und Harmonie-Bedürfnis. Natürlich reicht es, wenn Du vorerst auch nur ein Bedürfnis kommunizierst, wie z. B. das Bedürfnis nach einem offenen Austausch. Dies führt dazu, dass Deine Partnerin nun weniger Interpretationsspielraum hat, da sie nun besser versteht, was die Auslöser für Deine Gefühle und Verhaltensweisen sind.

 

4) Bitten

Abschließend kommt noch Dein Appell: Was wünschst Du Dir in Zukunft von Deiner Partnerin? Was kann sie konkret tun oder lassen, um bei der Erfüllung Deiner Bedürfnisse mitzuhelfen?

„Beim nächsten Mal fände ich es schön, wenn Du Dir meine Ausführung bis zum Schluss anhörst und dann Deine Meinung dazu kundtust.“

Drückst Du Dich derart klar aus, versteht Deine Partnerin Deine Beweggründe viel besser. Ein netter Nebeneffekt ist, dass ein derart vorgebrachter Wunsch nicht auf technischen Widerstand trifft, da Du keine Vorwürfe machst und sachlich bleibst. Im ersten Punkt schilderst Du objektive Fakten und Beobachtungen, welche – wenn Du nicht gerade eine Verzerrung in Deiner Wahrnehmung hast – nicht widerlegbar sind.

Im zweiten und dritten Punkt schilderst Du Teile Deiner subjektiven Realität, welche vorerst auch nicht angreifbar sind. So hast Du Dich nun mal gefühlt und das sind nun mal Deine Bedürfnisse. Auch dagegen ist es schwer, Gegenargumente anzubringen. Dein offen gelegtes Innenleben sollte ebenfalls dazu führen, dass Deine Partnerin die Beweggründe Deiner Bitte und somit auch Deine Bitte selbst besser nachvollziehen kann.



Da Du Deiner Partnerin nun einen Einblick in die Hintergründe Deiner Position gegeben hast, wird sie vermutlich bemüht sein, auch ihre Sicht der Dinge zu schildern. Inklusive ihrer Gefühle und Bedürfnisse sowie ihre Bitte(n) an Dich. Durch diesen Kommunikationsfluss könnt ihr beide nun herausarbeiten, was ihr beide fühlt und braucht, um so wieder Verständnis und Harmonie in eure Beziehung einfließen zu lassen. Um im Modell der Eisberge zu bleiben, wagt ihr beide Tauchgänge unter die Wasseroberfläche, um zu erkunden, was sich dort befindet. Dies schafft Klarheit und führt zu einem ehrlichen Austausch und einer offenen Kommunikation in der Beziehung.

Weitere Tipps für eine gelungene Kommunikation in der Beziehung bekommst Du im dritten Artikel aus dieser Reihe: Gefühle ausdrücken in der Beziehung.

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(Quellen: „Mediation – das Praxisbuch: Denkmodelle, Methoden und Beispiele“ von Silke Freitag und Jens Richter und „Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens“ von Marshall B. Rosenberg)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal und Life Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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