Verführungskunst - Die Schattenseiten von Pick up


Die Kehrseite der Verführungskunst – Das Erlernen des Aufreißens und seine Schattenseiten

Engere Freunde, die mich länger kennen, wissen, dass ich mich seit nunmehr fast 10 Jahren intensiv mit zwischenmenschlichen Beziehungen und Verführungskunst beschäftige.

Wie viele andere auch wurde ich über das Buch „The Game“ von Neil Strauss (2005 in den USA erschienen) das erste Mal aufmerksam darauf, dass „gut mit Frauen“ zu sein eine Fähigkeit ist, die Mann – wie jede andere Fähigkeit auch! – erlernen kann.

Bis dato habe ich immer gedacht, entweder man hat „das gewisse Etwas“ oder eben nicht.

Pick up - Verführungskunst Schattenseiten

Die Idee, dass Erfolg bei Frauen eine erlernbare Fertigkeit ist, hielt ich für revolutionär.

Auch in Deutschland gab bzw. gibt es einige Jungs, die sich intensiver mit dieser Thematik beschäftigen.

Maximilian Pütz zum Beispiel, damals noch als „Joker“ unterwegs, machte mir das erste Mal in deutscher Sprache klar, dass jeder Mann seine Beziehungsgestaltung selbst in der Hand hat – und nicht (wie leider immer noch ca. 99 % der Männer glauben) darauf warten muss, dass schon irgendwann „die Richtige“ an der Tür klopft.

 

Was ist Verführungskunst?

Aus meiner heutigen Sichtweise heraus ist Verführungskunst nur eine Facette in einem komplexen Portfolio an Fertigkeiten, die jeder Mann für sich meistern sollte. Es geht dabei um viel mehr als das Erlernen des „Aufreißens“ von Frauen.

Wenn ich von Verführungskunst spreche, meine ich damit nicht Macho-Gehabe oder vorgefertigte Sprüche. Ich meine die Kombination aus einem mit sich im Reinen, selbstbewussten und ehrlichen Mann, der gute Menschenkenntnisse sowie andere soziale Fähigkeiten hat und gleichzeitig versteht, was Frauen wirklich anzieht.

Aus meiner Sicht solltest Du als Mann echte Wahlfreiheit haben, was Deine Partnerinnen betrifft. Es heißt nicht umsonst Partnerwahl. Also neben der Entscheidung „Zur Partnerin machen, ja oder nein?“ auch eine echte Auswahl zu haben.

Du solltest in der Lage sein, eine Menge Frauen in Dein Leben zu ziehen (Attraction = Anziehung) und diese auch zu behalten wissen. Dafür musst Du verstehen, was Frauen wirklich anzieht und ein Mann werden, der auf natürliche Weise gut bei Frauen ankommt.

Ich persönlich habe der „old school“ Verführungskunst (auch bekannt als „Pick up“) viel zu verdanken. Weil ich viele nützliche Dinge gelernt habe, die übrigens weit über das reine Aufreißen von Frauen hinausgehen.

Jedoch sehe ich heute reines Pick up eher so, als würde man versuchen, einen durchtrainierten Körper zu bekommen, aber nur Sit-ups machen. Man vernachlässigt dabei den kompletten Rest.

Auch gibt es einige Aspekte der Verführungskunst-Szene, die ich schlichtweg für falsch und gefährlich halte. Diese Schattenseiten werden von der „Pick up“ – Industrie gerne unter den Teppich gekehrt. Im Folgenden daher eine kleine Aufzählung über die Kehrseite der Verführungskunst:

 

Perfektionismus in der Verführungskunst

In Büchern wie „Die perfekte Masche“ von Neil Strauß, „Der perfekte Verführer“ von Oliver Kuhn oder „Der Verführungscode: So kannst Du jede kriegen“ von Michael Vincent wird die Idee umworben, „garantiert jede Frau“ zu erobern.

Es ist von „Techniken“, „Tricks“ und „Methoden“ die Rede. Von denen behauptet wird, diese seien 100-prozentig wirksame Strategien zum Erobern von Frauen. Allein schon der Glaube an „perfekte“ Techniken wird Dich daran hindern, wirklich nachhaltig erfolgreich zu sein. Dies ist nur einer von vielen falschen Glaubenssätzen über Verführung.

Das Ideen wie diese dankbar angenommen werden, liegt meiner Meinung nach eher daran, dass viele Menschen bemüht sind, mit minimalem Aufwand maximalen Nutzen zu erreichen. Das versucht im Prinzip jeder Organismus.

Nur ist es gefährlich zu denken, man kann irgendwelche Abkürzungen nehmen und das System austricksen. Hier genau setzt aber das Marketing an und verspricht beispielsweise durch irgendwelche Wunderpillen oder Vier-Wochen-Diäten, mit nur wenigen Minuten Aufwand am Tag einen Traumkörper erreichen zu können.

Jeder, der schon mal was tragfähiges in seinem Leben erreicht hat, weiß, dass Erfolg meistens durch Kontinuität und Disziplin erreicht wird. Und das der Weg obendrein auch oft mit Fehlern und Rückschlägen gepflastert ist – die einen zwar kurzzeitig zurückwerfen, aber aus denen man im Idealfall lernt.

Über-Nacht-Erfolge und Instant-Resultate gehören meiner Meinung nach in die Traumwelt der Werbung.

Wirklicher Erfolg in zwischenmenschlichen Beziehungen basiert auf ehrlichem Umgang mit sich selbst und anderen, selbstbewusstem Auftreten, kommunikativen Fähigkeiten und bewusster Körpersprache, die es zu erlernen gilt.

Selbst wenn Du es geschafft hast, selbstbewusst, ehrlich, offen und sympathisch rüber zukommen und Du auf natürliche Weise gut bei Frauen ankommst, wird Deine Erfolgsquote dennoch niemals die 100 % erreichen. Es wird immer noch Frauen geben, bei denen es einfach nicht passt. So ist das eben.

 

Die Suche nach Anerkennung und Bestätigung durch Verführungskunst

Nun, wo ich zehn Jahre nach Lesen des Buches „The Game“ ein solides Fundament an psychologischem Know-how besitze, ist mir sehr deutlich, dass viele dieser selbsternannten Verführungskünstler aus der Überkompensation heraus agieren.

Dabei wird versucht, ein inneres „Loch“ durch externe Bestätigung zu füllen.

Ganz klassisches Streben nach Zustimmung und Anerkennung, basierend auf einem schlechten Selbstwertgefühl. Meistens begleitet von dem Gefühl, ungenügend, unzulänglich, minderwertig oder „schlechter“ zu sein.

Deine Suche nach Anerkennung führt dazu, dass es schwer für Dich wird, Dich wirklich auf eine andere Person einzulassen. Da Du Dir selbst nicht traust und Dir selbst nicht genug bist, brauchst Du immer wieder den Kick eines neuen Erfolgserlebnisses.

Das hat aus meiner Sicht mit echtem Selbstvertrauen wenig zu tun.

 

Pick up – „Alpha“ – Gehabe

Die Idee, dass der Gruppenführer mit höchstem Status in einer sozialen Gruppe die größte Aufmerksamkeit bekommt, halte ich grundsätzlich für richtig. Gefährlich ist eher das übermäßige Alpha-sein-wollen, um jeden Preis.

Es ist überhaupt nicht notwendig, zeigen zu wollen, welchen Status Du hast. Das ist genauso kontraproduktiv wie Angeberei. Nur jemand, der sich selbst und anderen was beweisen muss, gibt an.

Ein echter Mann muss nur selten bewusst Energie aufwenden, um seinen eigenen Status zu vermitteln. Und genau aus diesem Grund brauchst Du es auch nicht Deiner Bezugsgruppe, Deiner Partnerin und schon gar nicht Dir selbst zu sagen oder zeigen.

Wenn Du diesen Stand an Selbstvertrauen erreicht hast, drücken Deine Gelassenheit, Deine Ausstrahlung und Dein Charisma es für Dich aus. Dich umgibt eine Aura und Frauen attestieren Dir „das gewisse Etwas“.

Und im Folgenden noch drei Verführungskunst-„Techniken“, die ich für besonders bedenklich halte:

 

Pick up – „Demonstrating higher Value“

Die Idee hinter dieser „Technik“ ist es, gekonnt seinen eigenen „Wert“ zur Schau zu stellen. Schon allein die Idee basiert auf dem Grundgedanken, nicht auf Augenhöhe zu sein und irgendetwas demonstrieren zu müssen, um Anerkennung zu bekommen.

Es handelt sich also eher um den Umgang mit Minderwertigkeit und höchstens um Symptombehandlung.

Sinnvoller wäre es, tatsächlich jemand zu sein oder zu werden, der es wirklich „wert“ ist, dass man ihn kennenlernt. So kommst Du auch nicht in die Versuchung, irgendjemanden irgendetwas zeigen oder beweisen zu müssen. „Demonstrating higher value“ ist aus meiner Sicht weit entfernt von einem positiven Selbstwert.

 

Pick up – „FTOW – Fuck ten other women“

Hierbei geht es um die Idee, sich nach einer Trennung oder ähnlich einschneidender Erlebnissen erst einmal abzulenken. Dies ist schlichtweg eine Überkompensation einer Zurückweisung.

Auch damit füllst Du eher ein Loch durch Ablenkung. Ähnlich wie wenn Du schlechte Stimmung mit Alkohol bekämpfst. Diese „dirty highs“ helfen wenn überhaupt nur kurzfristig – und erzeugen mittelfristig eine Menge Schaden.

Wie Du auf vernünftige Art und Weise eine Trennung verarbeitest, kannst du im Artikel Trennung verarbeiten und über Deine Ex hinwegkommen nachlesen.

 

Pick up – „AMOGing / AMOG destroyer“

„AMOG“ steht für „Alpha Male Of the Group“. AMOGing ist der Sammelbegriff für Techniken, um Dich gegenüber dem Alphatier, das Dich potentiell daran hindert, Deine Auserwählte zu verführen, zu positionieren.

Hier geht es darum, sich selbst besser dastehen zu lassen und den anderen Typen schlechter. Ähnlich wie die Zurschaustellung des eigenen Wertes ist dies eine lächerliche Vorgehensweise, seine eigenen Ziele zu verwirklichen. Mit ehrlicher und offener Kommunikation und vor allem mit Fairness hat dies nichts zu tun.

Dies waren nur drei besonders kritische Beispiele. Es gibt noch viele weitere Details in der klassischen Verführungskunst, von denen ich denke, dass diese eher schädlich als förderlich sind.

 

Verführungskunst richtig anwenden

Wie oben bereits erwähnt, gehören für mich zur Mann-Werdung und attraktiven Außenwirkung kein Macho-Gehabe, vorgefertigte Techniken oder Routinen. Am gefährlichsten ist jedoch, dass viele Verführungskunst dafür nutzen, um ihre eigene wahrgenommene Minderwertigkeit abzufedern. Sie begegnen ihren Interaktionspartnern nicht auf Augenhöhe und wollen eher die Bestätigung statt einer echten Begegnung. Überkompensation eigener Komplexe wird so leicht gemacht – ohne dass Mann sich seiner eigenen Baustellen stellen muss.

Bei echter Verführungskunst geht es vielmehr um Selbst-Bewusst-Sein, Stärkung der Männlichkeit, Verbesserung der eigenen Außenwirkung und kommunikativen Fähigkeiten. Sowie einer positiven Grundeinstellung, die auf einem soliden Inneren basiert. Erst eine positive und offene innere Einstellung und das „mit sich im Reinen sein“ führt zu zwischenmenschlichen Beziehungen auf Augenhöhe.

Sobald Du anfängst, Dich selbst und andere Menschen besser zu verstehen, wirst Du in der Lage sein, Deine Sexualität authentisch auszuleben. Und Dein Beziehungsleben nach Deinen Wünschen zu gestalten.

Wenn Du also das nächste Mal von irgendwelchen „garantiert funktionierenden Flirt-Tipps oder „todsicheren Systemen“ hörst, mach lieber einen großen Bogen!

Anstatt irgendwelcher „Aufreißer-Tricks“ lerne lieber, wie Du selbstbewusst, ehrlich, offen und sympathisch wirkst. Erst dann wirst Du auf natürliche Weise gut bei Frauen ankommen.

Durch richtig gelernte und angewandte Verführungskunst wirst Du verstehen, was Frauen wirklich anzieht und erlernst gekonntes Gesprächsverhalten. Nebenbei erlernst Du die sozialen Fähigkeiten, die Dich nicht nur beliebter in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis, sondern auch erfolgreicher in Deinem Beruf werden lassen.

So wirst Du Frauen in Dein Leben ziehen (durch eine ansprechende Außenwirkung) und diese auch zu behalten wissen.

Wenn Dich das Thema Verführungskunst und Männlichkeit vertieft interessiert, so kann ich Dir die folgenden drei Bücher empfehlen. Diese sind gut gechrieben und distanzieren sich ebenso von perfekten Methoden und todsicheren Taktiken, sondern fokussieren sich auf Dein Innenleben als Mann:

Solltest Du darüber hinaus Deine Männlichkeit ausbauen wollen, so könnte unser Coaching für Männer-Angebot das Richtige für Dich sein. Mit speziellen Coaching-Tools und auf Dich individuell zugeschnittener Beratung können wir Deine persönlichen Baustellen – in allen Lebensbereichen – bearbeiten.

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Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal und Life Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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