Kommunikation in der Partnerschaft meistern – Teil 3: Gefühle ausdrücken und sich mitteilen

 
Gefühle ausdrücken
Männer und Gefühle. Für viele klingt dies wie ein Paradoxon. Andere hingegen denken an “Weicheier” oder “Softies”. Beide Klischees halten sich hartnäckig, und um keines davon geht es im folgenden Artikel. Vielmehr möchte ich Dir zeigen, wie Du – wenn Du es möchtest – gezielt Deine Gefühle ausdrücken kannst. Beherrschst Du den Umgang mit Deinen eigenen Emotionen, so erleichtert es Dir in vielerlei Hinsicht die Kommunikation.

 

Gefühle ausdrücken – Was sind “Gefühle” überhaupt?

Im Allgemeinen werden unter “Gefühlen” unterschiedlichste psychische Erfahrungen verstanden, die mit physiologischen Reaktionen einhergehen. Während körperliche Reaktionen (bspw. Herzschlag, Muskelspannung etc.) heutzutage gemessen werden können, sind erlebte Gefühle eher individuell und subjektiv. Menschen unterscheiden sich dahingehend, in welcher Intensität und Qualität sie bestimmte Gefühle wahrnehmen.

Im Grunde sind Gefühle ein Resultat der Verarbeitung von Reizen, die wir mit unseren Sinnesorganen aufnehmen. Sehen wir beispielsweise etwas Unbekanntes, erschrecken wir uns und empfinden möglicherweise Angst. Aus diesem kleinen Beispiel wird bereits deutlich, dass Gefühle nicht nur Ausdruck äußerer Gegebenheiten sind, sondern auch durch unsere eigene Beurteilung dieser Gegebenheiten entstehen. Eine andere Person hätte den Reiz vielleicht nicht als “Unbekannt” gewertet und evtl. keine Angst empfunden.




Gefühle vermitteln uns ein Bild von der uns umgebenden Welt und geben uns auch Hinweise über die Vorgänge innerhalb unseres eigenen Körpers. Evolutionsbiologisch haben sie den Zweck, uns zum Handeln zu motivieren, um mit der Quelle umzugehen, die diese Reaktionen in uns hervorgerufen hat.

An den Wurzeln unserer Gefühle stehen unsere Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Angst z. B. soll uns dazu motivieren, die Gefahrenquelle zu meiden um so unser Bedürfnis nach Sicherheit zu erfüllen. Gefühle und Bedürfnisse sind also eng miteinander verwoben.

In dem zweiten Teil aus der Reihe Kommunikation in der Beziehung habe ich Dich dazu animiert, über Deine Bedürfnisse nachzudenken. Die Gefühle, die Du empfindest, geben Dir gute Hinweise darüber, wie diese aussehen könnten. Im Grunde ist alles, was ein Mensch tut, der Versuch, Bedürfnisse zu erfüllen. Dabei unterstützen Dich Deine Emotionen.

In der Kommunikation, vor allem in der Partnerschaft, spielt dabei der richtige Gebrauch von Wörtern eine entscheidende Rolle bei der Erfüllung Deiner Bedürfnisse. Wie Du dies über das richtige Artikulieren Deiner Gefühle schaffst, erfährst Du nun.

 

Gefühle ausdrücken – Sagen können, was mit Dir ist

Heutzutage werden wir dazu erzogen, derart zu leben, dass andere Menschen uns gut finden. Sprüche wie “Indianer kennen keinen Schmerz” begleiten uns seit Kindestagen. Wir sind stets darauf bedacht, die Fassade zu wahren – und diese Fähigkeit ist natürlich auch nützlich. Denke nur an Geschäftsverhandlungen oder an ein Poker-Spiel. Natürlich ist es sinnvoll, unter bestimmten Gegebenheiten Dein Inneres für Dich zu behalten.

Das Problem ist nur, dass wir es derart verinnerlicht haben, dass wir den Kontakt zu uns selbst verloren haben. Zähne zusammenbeißen haben wir drauf. Zu sagen, was mit uns ist, haben wir nie gelernt. Daher kommt es auch, dass viele unserer Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Dies geht so weit, dass wir sprachlich gar nicht mehr in der Lage sind, unsere Gefühle auszudrücken.

Mach den Test und frag Deine Freunde und Bekannten mal in bestimmten Situationen, wie sie sich fühlen. Ziemlich sicher wirst Du Antworten wie diese bekommen:

  • [Nach einem verlorenen Fußballspiel] “Ich habe das Gefühl, dass wir nicht alles gegeben haben.”

  • [Deine Partnerin in einem Streit] “Ich fühle mich, als ob ich gegen eine Wand rede.”

  • [Nach einem erfolglosen Versuch bei was auch immer] “Ich habe das Gefühl, es macht keinen Sinn mehr.”

  • [Bei ungewöhnlichen Vorgängen] “Ich habe das Gefühl, Tobias spielt mit falschen Karten.”

Fällt Dir was auf? Obwohl alle Sätze mit “Ich habe das Gefühl” oder “Ich fühle mich” beginnen, folgen darauf Gedanken, und keine Gefühle.

 

 
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Marshall B. Rosenberg verweist in seinem Buch “Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens” darauf, dass all diese Sätze auch mit “Ich denke” ausgedrückt werden könnten. Wenn das Verb “fühlen” gefolgt wird

  • von Wörtern wie “dass”, “wie” oder “als ob”,
  • persönlichen Pronomen wie “ich”, “du”, “er”, “sie”, “es”, “wir”, “ihr” oder “sie” oder
  • Namen oder Hauptwörtern, die sich auf Menschen beziehen (z. B. “mein Chef”),

dann handelt es sich höchstwahrscheinlich nicht um einen Gefühlsausdruck.

Darüber hinaus ist es noch nicht mal notwendig, das Wort “fühlen” zu verwenden, wenn wirklich ein Gefühl benannt wird. Anstatt “Ich fühle mich traurig” kannst Du auch einfach “Ich bin traurig” sagen!

Weitere Missverständnisse beim Ausdruck von Gefühlen geschehen durch weitere sprachliche Verwirrung:

  • “Ich fühle mich nicht geachtet.”

  • “Ich fühle mich übergangen.”

  • “Ich fühle mich nutzlos.”

  • “Ich fühle mich von Dir gestört.”

Es mag Dich möglicherweise überraschen, aber auch “nicht geachtet”, “übergangen”, “nutzlos” oder “gestört” sind keine Gefühle. Enttäuschung, Frustration oder Traurigkeit dagegen schon. Das mag Dir jetzt vielleicht wie Wortklauberei vorkommen, aber der Unterschied ist groß. Vor allem in seiner Wirkung auf andere!

Denk mal darüber nach: In den vier oberen Beispielen wird ausgesprochen, was der Sprecher denkt, wie andere ihn beeinflussen, auf ihn reagieren oder über ihn denken. “Ich fühle mich nicht geachtet.” ist eine Interpretation des Verhaltens eines anderen Menschen, aber kein Ausdruck eines Gefühls. Dies wird der Adressat höchstwahrscheinlich als Kritik oder Angriff wahrnehmen und dementsprechend reagieren. “Ich bin enttäuscht.” dagegen ist eine Aussage über einen selbst. Ich hoffe, Du verstehst den Unterschied. Es geht darum, ob Du bei Dir oder bei anderen bist.

Wenn Du also das nächste Mal “Ich habe das Gefühl, Du liebst mich nicht mehr.” zu hören bekommst, dann gehe nicht in die Defensive oder in den Angriff, sondern versuche zu verstehen, welche Gefühle – und damit verbundene Bedürfnisse – Deine Partnerin versucht, auszudrücken.

Gefühle ausdrücken und sich mitteilen leicht gemacht: Im Buch “Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens” findest Du weitere Beispiele und komplette Listen von Gefühlen und vermeintlichen Gefühlen, die ich Dir ans Herz legen möchte, wenn Du Deinen Wortschatz ausbauen und Kommunikation in der Partnerschaft geschickt meistern möchtest.




Eigene Gefühle auszudrücken muss also nicht schwer sein. Darüber hinaus kannst Du immer noch entscheiden, wann Du dies tun möchtest und wann nicht. Ohne die Befürchtung haben zu müssen, nun als “Weichei” zu gelten. Im Gegenteil, meiner Meinung nach ist der Umgang mit seinen eigenen Gefühlen und die richtige Artikulation dieser eine Stärke, die Dich umso männlicher werden lässt!

Weitere Tipps zu einer gelungenen Beziehung findest Du in den Artikel die fünf Sprachen der Liebe, Bedürdnisse mitteilen und Deine Beziehung retten – Aussteigen aus dem Teufelskreis.

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(Quellen: „Psychologie“ von Richard J. Gerrig und Philip Zimbardo und “Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens” von Marshall B. Rosenberg)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal- und Life-Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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