Schwierige Entscheidungen treffen – Entscheidungstypen und Konsequenzen

 
Entscheidungen treffen
Vielen Menschen fällt eine schwierige Entscheidung schwer. Denn sie wissen nicht genau, was sie wollen.

„Ich kann mich nicht entscheiden.“

„Ich weiß nicht so genau, was ich eigentlich will.“

Kommt Dir das bekannt vor?

Auch Du stehst fast täglich vor der Wahl und musst Entscheidungen treffen: Meistens sind es Kleinigkeiten, bei denen Du Entscheidungen zu treffen hast. Manchmal haben Deine Entscheidungen größere Tragweite.

Unabhängig von der Wichtigkeit Deiner Entscheidungen, verläuft Deine Entscheidungsfindung jedoch fast immer nach demselben Muster. Die psychologische Forschung kategorisiert Entscheider anhand ihrer Muster der Entscheidungsfindung in zwei verschiedene Entscheidungstypen: Maximizer und Satisficer.

Was diese Entscheidungstypen ausmacht und welche Konsequenzen die Art der Entscheidungsfindung auf Deine Zufriedenheit hat, erfährst Du im Folgenden.

 

Der Entscheidungstyp „Maximizer“

Der Maximizer hat eine simple Mission: Er will das absolut Beste! Mit weniger gibt er sich nicht zufrieden.

Diese Anspruchshaltung der Optimalität bei der Entscheidungsfindung hat dabei ihren Preis: Um sicher sein zu können, auch die beste Wahl getroffen zu haben, muss der Maximizer erst einmal alle Alternativen kennen lernen.

Je größer die Auswahl, desto größer der Aufwand. Das kostet viel Zeit und Energie. So wird selbst die kleinste Aufgabe zur Zerreißprobe.

Möchte ein Maximizer z. B. einen Anzug kaufen, so muss er vor seiner Kaufentscheidung alle Anzüge in dem Geschäft seiner Wahl zu Gesicht bekommen. Schlimmer noch, er muss auch weitere Geschäfte besuchen, um bloß kein schlechtes Geschäft zu machen. Ist der gefundene Anzug wirklich der Beste? Hat er wirklich bereits das beste Preis-Leistungs-Verhältnis gefunden? Lieber vergleicht er nochmal online und konsultiert Freunde.

Mit steigendem Perfektionismus steigen also auch seine Bedenken. Irgendwo gibt es bestimmt noch eine bessere Alternative. Für die Entscheidungsfindung braucht der Maximizer (und die Menschen um ihn herum!) einen langen Atem.

Und selbst nach seiner Entscheidung bleiben Zweifel. Die Chance, wirklich die richtige Wahl getroffen zu haben, sinkt mit jeder neuen Alternative. Vielleicht war es doch die falsche Entscheidung? Lieber weiter die Augen offen halten, nur um sicher zu gehen …

 

Der Entscheidungstyp „Satisficer“

Der Satisficer dagegen ist zufrieden, sobald etwas „gut genug“ ist. Er weiß vorher bereits ungefähr, was er will. Sobald eine Alternative seiner Vorstellung entspricht, greift er zu. Dafür muss er noch nicht einmal alle Alternativen kennen!

Eine größere Auswahl hat bei einem Satisficer keinen großen Einfluss auf seine Entscheidung. Erfüllt eine Alternative seine Ansprüche, so trifft er seine Entscheidung und belässt es dabei. Denn er hat sich für etwas entschieden, was seinen vorher definierten Vorstellungen entspricht. Deshalb ist er zufrieden.

Selten bedauert er seine Entscheidung. Und er verbraucht auch insgesamt weniger Zeit und Energie als der Maximizer, um seine Entscheidung zu treffen.

Das heißt aber nicht unbedingt, dass Satisficer sich mit weniger zufrieden geben. Ihre Ansprüche können dabei auch sehr hoch sein. Das „gut genug“ bezieht sich dabei nicht auf die Qualität der Alternative, sondern auf die Erfüllung der selbst gesetzten Kriterien.

Bei dem Anzug-Beispiel würde ein Satisficer sich z. B. im Vorfeld denken: „Ich brauche einen schwarzen Anzug. Dieser soll eine gute Qualität haben und maximal 800 € kosten“. Den ersten schwarzen Anzug, der seine Kriterien erfüllt, kauft er dann und ist zufrieden.

 

Entscheidungen treffen: Welcher Entscheidungstyp bist Du?

Um bei Dir selbst festzustellen, ob Du beim Treffen von Entscheidungen eher ein Satisficer oder ein Maximizer bist, teste, inwiefern Du den folgenden Aussagen zustimmst:

  • Kleidung einzukaufen oder Geschenke zu besorgen fällt mir tendenziell eher schwer. Darüber hinaus nimmt Einkaufen eher viel Zeit in Anspruch.

  • Auch wenn ich das Programm im TV oder das Lied im Radio ok finde, schalte ich dennoch auf andere Programme. Ich will schauen, ob nicht noch was Besseres läuft.

  • Obwohl ich meinen Job eigentlich mag, halte ich dennoch ständig die Augen nach Alternativen offen.

 
Du ahnst es vermutlich bereits: Je größer Deine Zustimmung bei diesen Aussagen ausfällt, desto eher bist Du ein Maximizer.

 

Mehr Auswahl = Mehr Zufriedenheit?

Nicht immer bedeuten mehr Optionen auch mehr Freiheit, Lebensqualität oder Wohlstand.

In seinem Buch „Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger glücklicher macht“ argumentiert Barry Schwartz, dass Satisficer in der Regel glücklicher sind als Maximizer.

Hauptsächlich deswegen, weil Satisficer im Vergleich zu den Maximizer Zeit und Energie sparen. Und weil Maximizer ihre getroffenen Entscheidungen öfters anzweifeln.

Im Durchschnitt ist der Maximizer weniger glücklich. Und dass, obwohl er sich die größte Mühe gibt, bloß keine Fehlentscheidung zu treffen!

Ganz so schwarz-weiß ist die Typeneinteilung natürlich nicht: Auch wenn Menschen zu einem bestimmten Muster tendieren, kann es dennoch situationsabhängig vorkommen, dass ein Maximizer mal wie ein Satisficer entscheidet und umgekehrt.

 

Wie treffe ich eine gute Entscheidung?

Um Zweifel oder der Lähmung vorzubeugen, wegen der „Qual der Wahl“ gar keine Entscheidung zu treffen, ist es daher manchmal gut, nicht immer alle Optionen kennen zu wollen. Die ständige Jagd nach der besten Alternative führt oft zu Stress und weniger Zufriedenheit.

In seinem Buch Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition argumentiert Gerd Gigerenzer, dass wir vor allem bei komplexen Entscheidungen (Haus kaufen, jemanden heiraten etc.) lieber auf unser Bauchgefühl hören sollten.

In diversen Studien konnte er zeigen, dass Menschen, die bei komplexen Entscheidungen eher auf ihre Intuition hörten, im Nachhinein zufriedener mit ihrer Entscheidung waren.

Das liegt laut Gigerenzer daran, dass unser Bewusstsein mit schweren Entscheidungen eher überfordert ist. Wir sind kognitiv gar nicht dazu in der Lage, alle Parameter gegeneinander abzuwägen. Unser Unterbewusstes dagegen ist eher ein System, was zwar langsamer arbeitet, dafür aber eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigen kann … ohne, dass wir genau wissen, warum wir zu bestimmten Alternativen tendieren.

Vor allem bei komplexen Entscheidungen sollten wir daher eher mal eine Nacht darüber Schlafen. Und die Entscheidung sozusagen von unserem Kopf an unseren Bauch delegieren.

„Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.“ Daher sind viele Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ gar nicht so schlecht, wie oftmals propagiert wird. Erfolgreiche Manager oder Spitzenathleten können ihre Entscheidungen im Nachgang auch nicht immer sauber erklären. Sie haben sich einfach auf ihre Intuition verlassen. Und liegen damit oft goldrichtig!

Hast Du also etwas gefunden, mit dem Du gut zurechtkommst und zufrieden bist, und dass sich in deinem Bauch auch „gut anfühlt“, dann bleib doch einfach mal dabei! Mach Dir Deine Entscheidung durch Deinen Perfektionismus und das Kaputtdenken beim Treffen von Entscheidungen nicht unnötig schwer 😉

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(Quellen: „Anleitung zur Unzufriedenheit: Warum weniger glücklicher macht“ von Barry Schwartz und „Psychologie“ von Richard J. Gerrig und Philip Zimbardo)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal und Life Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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