Effektive Vorbereitung auf heikle Gespräche: Teil 1 – Das Kommunikationsquadrat

Ob Du Deine Kommunikation verbessern oder Dich auf ein schwieriges Gespräch vorbereiten willst: Das im Folgenden beschriebene Kommunikationsquadrat ist ein Modell, welches eine wichtige Grundlage für alle Arten der Kommunikation darstellt.

Bereits in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte der Sprachpsychologe Kahl Bühler die Idee, dass eine Aussage „mehrere Seiten“ habe. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (von ihm stammt auch das bekannte Axiom „Man kann nicht nicht kommunizieren!“) griff Bühlers Idee auf und Friedemann Schulz von Thun vertiefte diese letztendlich zu dem Kommunikationsquadrat, welches heute besser bekannt ist als „Vier-Seiten-Modell“ oder „Vier-Ohren-Modell“.

Obwohl das Kommunikationsquadrat allseits bekannt ist, scheint die Anwendung dieses und die daraus resultierenden Möglichkeiten der Interaktion den meisten Menschen nicht allzu geläufig zu sein. Vor allem für eine effektive Vorbereitung auf heikle Gespräche bildet es eine gute Grundlage zur Gesprächsvorbereitung.

Wie das Kommunikationsquadrat die Ebenen einer Nachricht beschreibt, welche Möglichkeiten zu reagieren es Dir verschafft und wie es Dir bei der Vorbereitung auf schwierige Gespräche hilft, erfährst Du in dem folgenden Artikel.

 

Das Kommunikationsquadrat: Vier Seiten einer Nachricht

Kommunikationsquadrat

Die Idee hinter dem anschaulichen Kommunikationsquadrat-Modell ist recht simpel. Wenn Menschen zusammenarbeiten oder überhaupt miteinander reden, sind immer vier Aspekte gleichzeitig im Spiel:

  • Sachebene ⇒ Hiermit ist der Austauscht über Inhalte gemeint.
  • Selbstkundgabe ⇒ Mit jeder Aussage zeigt der Sender auch etwas von sich selbst.
  • Beziehungsebene ⇒ Der Sender drückt (meist nonverbal) aus, was er vom Gesprächspartner hält.
  • Appell ⇒ Der Sender sagt oder zeigt mehr oder minder eindeutig, wozu er den Empfänger veranlassen möchte, bzw. was er von diesem erwartet.

 
Ein einfacher Satz wie „Ich kämpfe mich hier durch Deine Notizen“ trägt also viel mehr Information, als es auf den ersten Blick scheint:

  • Sachebene: Recht offensichtlich „Ich bin gerade dabei, Deine Notizen durchzuarbeiten“
  • Selbstkundgabe: „Mit dem Chaos hier komm ich nicht gut zurecht, ich bin im Stress“
  • Beziehungsebene: „Du bist ein Chaot“
  • Appell: „Hilf mir bitte mal!“

So oder so ähnlich können die vier Seiten einer Nachricht aussehen.

Recht einleuchtend. Aber was bringt Dir das jetzt, fragst Du Dich vielleicht.



 

Vier Möglichkeiten zu reagieren

Wie oben beschrieben enthält jede Aussage vier verschiedene Teilaussagen, die es Dir ermöglichen, entsprechend zu reagieren. Wenn Du dies erst einmal verinnerlicht hast, kannst Du sehr flexibel auf Dein Gegenüber reagieren. Damit kannst Du ein Gespräch sehr gezielt steuern und auch im Konfliktfall immer möglichst deeskalierend reagieren.

Nehmen wir einmal an, jemand sagt zu Dir „Diese Ausarbeitung ist Mist!“. Anstatt es gleich persönlich zu nehmen und zum Gegenschlag auszuholen, hast Du ein ganzes Portfolio an Möglichkeiten, darauf einzugehen.

  • Auf der Sachebene: Du kannst auf die geäußerte Tatsache eingehen und den Sachaspekt der Botschaft in den Vordergrund stellen. Dies ist vor allem dann erfolgversprechend, wenn es Deinem Gegenüber um einen Austausch auf der Sachebene geht. Komplett sachlich kannst Du darauf z. B. antworten „Diese Ausarbeitung beinhaltet die aktuellen Quartalszahlen.“

  • Auf die Selbstkundgabe: Du kannst Dich einfühlen in die Situation des anderen und seine Gefühlslage ansprechen, beispielsweise mit „Du bist verärgert.“

  • Auf die Beziehungsebene: Du kannst darauf eingehen, wie Du den Umgang gerade erlebst bzw. wie Du Dich behandelt fühlst, z. B. „Ich habe das Gefühl, Du ärgerst Dich über mich.“ Hier bleibt dem Gesprächspartner fast nichts anderes übrig, als genauer zu beschreiben, was er mit seiner ursprünglichen Aussage meinte.

  • Auf den Appell: Du kannst den unausgesprochenen Wunsch, der mitschwingt, versuchen zu klären, z. B. „Möchtest Du, dass ich einen Blick auf die Ausarbeitung werfe?“

Wie Du siehst, kannst Du auf allen Ebenen zur Klärung der Interaktion beitragen und so Missverständnisse aktiv vermeiden. Du hast also eine gewisse Entscheidungsfreiheit, auf welche Seite einer Nachricht Du eingehen willst.

Daher spricht man auch von einer Hör-Verantwortung. Bewusstes Wechseln der Ebenen gibt Dir Handlungsspielräume in der Kommunikation und eröffnet Dir neue Gesprächsperspektiven.

 

Das Kommunikationsquadrat für die Gesprächsvorbereitung nutzen

Besonders nützlich ist das Modell des Kommunikationsquadrates, wenn es um die effektive Vorbereitung auf heikle Gespräche geht. Für ein erfolgreiches Gespräch ist eine gute Vorbereitung fundamental.

Anhand des Kommunikationsquadrates kannst Du Dir nun auf allen Ebenen überlegen, was Du in dem Gespräch erreichen willst.

Du kannst Gespräche vorbereiten basierend auf allen vier Seiten:

a) Sachebene:

Welche Themen will ich ansprechen? Was will ich inhaltlich vermitteln?

In welcher Reihenfolge?

Welche Argumente, Gründe und Beispiel habe ich?

d) Selbstkundgabe:

Wie erlebe ich persönlich die Situation?

Was sind meine Gefühle und Bedürfnisse?

Was davon will ich mitteilen? Und auf welche Weise?

c) Beziehungsebene:

Wie will ich die Beziehung gestalten?

Wie sieht der andere die Situation?

Wie kann ich Kritik äußern, ohne zu verletzen?

b) Appell:

Was ist mein Minimal- / Maximal-Ziel?

Welche Wünsche und Forderungen habe ich?

Derart gut vorbereitet bist Du Dir Deiner eigenen Ziele und Argumente klar und hast auch die zwischenmenschliche Beziehung im Blick. Denn selbst, wenn Du Dein Sachziel durchsetzt, dabei aber die Beziehungsebene störst, kann das Gespräch nicht als nachhaltiger Erfolg gewertet werden. Zumindest nicht, wenn Du darauf angewiesen bist, noch weiter mit diesem Gesprächspartner zu kommunizieren bzw. zusammenzuarbeiten. Entscheidend ist nämlich nicht nur die Absicht, sondern auch die Wirkung des Gesagten!

Nach Deiner Selbstklärung mittels des Kommunikationsquadrates musst Du nur noch die Rahmenbedingungen mit Deinem Gesprächspartner klären: Wann und wo wollt ihr euch aussprechen? Welchen zeitlichen Rahmen soll das Gespräch haben?

Verabrede Dich mit Deinem Gesprächspartner zum Gespräch und kündige an, worum es geht! Sonst kann es sein, dass sich Dein Gesprächspartner überrumpelt fühlt.

Im zweiten Artikel-Teil zur effektiven Vorbereitung auf heikle Gespräche geht es um die Gesprächsführung. Du erfährst, wie Dir eine gute Gesprächseröffnung gelingt, Du Deine eigene Sichtweise erläuterst, Dich im Gespräch am Gegenüber orientierst und Du einen konstruktiven Dialog führst.

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(Quellen: „Professionelle Gesprächsführung“ von Christian-Rainer Weisbach und Petra Sonne-Neubacher und „Coaching: Miteinander Ziele erreichen“ von Maren Fischer-Epe)


Gregor Wojtowicz Profilbild
Veröffentlicht von Gregor Wojtowicz am
Coach bei Quality - Lifestyle Development Consultants

Gregor Wojtowicz ist Master der Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) und Diplom Wirtschaftsmathematiker. Er arbeitet als Unternehmensberater und Business-Coach für international tätige Unternehmen sowie als Personal und Life Coach mit Privatpersonen. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychologie, Coaching, Persönlichkeitsentwicklung, Außenwirkung sowie Selbstmarketing.

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